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Interview mit Volker Wagner, Präsident des Bundes Deutscher Karneval

2011

Interview mit Volker Wagner, Präsident des Bundes Deutscher Karneval
Der Bund Deutscher Karneval e. V., wurde als Vereinigung zur Pflege fastnachtlicher Bräuche in Mainz gegründet. Inzwischen besteht er aus 35 Regionalverbänden bzw. –ausschüssen mit über 5000 Vereinen und Gesellschaften. Wir trafen den Präsidenten bei der gemeinsamen Kostümsitzung der Stromlosen Ader und der KG Blau-Rot Dellbrück und bekamen durch Pressesprecher Peter Limburg die Möglichkeit, uns mit ihm in der Pause zu unterhalten. Er war gern bereit, sich den Fragen nach seiner Meinung zur aktuellen Situation im Karneval zu stellen. Wir bedanken uns dafür und freuen uns, ihn einmal persönlich kennen gelernt zu haben.


Gern war Volker Wagner bereit, der Redaktion Auskunft über seine Arbeit als Präsident zu geben


Der Besuch des Präsidenten wird oft mit einer Ordensüberreichung belohnt

Volker Wagner, der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, kann sich, nachdem die Druckerei, in der er tätig war, den Betrieb eingestellt hat, in dieser Session selber einen Wunsch erfüllen: Nämlich ein Präsident zu sein, der miterleben, sehen, sich unterhalten und Anregungen aufnehmen und weitergeben kann. Er will kein anonymer Präsident sein, der an der Spitze eines Verbandes steht, der deutschlandweit tätig ist und nicht weiß, was sich in den Vereinen tut. Von Saarbrücken bis Cottbus und von Kiel bis an den Bodensee zieht sich allein das Gebiet, das in Deutschland zum BDK gehört. Natürlich könne er auch Präsidiumsmitglieder „los schicken“, um zu erfahren, was sich an der Basis so tut, aber humorvoll ergänzt er den Satz: ...ist doch besser, wenn die Oma persönlich kommt, denn die hat mehr Geld.“ So ist er oft in Köln, aber nicht zu oft. Es sei ganz einfach zu erklären, warum er am Wochenende eher z. B. in Lübeck und in der Woche öfter in Köln sei: In Lübeck feiert man am Wochenende, also Freitag, Samstag und Sonntag. In Köln jedoch finden in der Session von Montag bis Sonntag Sitzungen, Partys und andere karnevalistische Aktivitäten statt. Da könne man jeden Tag etwas finden, das sich lohnt, zu sehen.

Auch am Freitag bei der Großen Allgemeinen begrüßte man den Präsidenten herzlich


Der Sitz in Köln am Maarweg ist zwar der offizielle Sitz, aber die Hauptarbeit macht Volker Wagner in seinem Büro zu Hause in Waldfischbach. „Man kann nicht nur reisen, für einen Präsidenten gibt es auch genug Schreibtischarbeit. Es sind Anträge zu sichten und zu bearbeiten, die Tanzturniere benötigen viel schriftliche Vor- und Nacharbeit und immer wieder gehen Anrufe mit Fragen und Hinweisen bei ihm ein, die er selber beantworten möchte. 48 Tanzturniere mit 50-60 000 Zuschauern, eine geplante Meisterschaft in der Köln-Arena für 2015 und viele andere Aktivitäten, die schon lange im Vorfeld Planung und Organisation benötigen, nehmen mindestens einen Tag Schreibtischarbeit in der Woche , in Anspruch und die muss und will ich einsetzen“ erklärt er uns. Trotzdem: Er möchte einmal „rumkommen“, um die Probleme selber zu sehen und persönlich mit denen zu sprechen, die damit zu kämpfen haben. Bei der Menge der Vereine, die an den Verband angeschlossen sind, ist das eine große Aufgabe, die er sich gestellt hat.


Er will sich dem Brauchtum Karneval, Fastnacht, Fasching, Fasnet oder wie es auch immer regional heißt, widmen und die Vielfältigkeit des Brauchtums erhalten und Verfälschungen helfen zu verhindern.
Der Bund Deutscher Karneval ist für seine Mitgliedsvereine Ansprechpartner und Servicestation in einem. Die Vereine legen Wert darauf, das närrische Volk zu erreichen und Freude in eine nicht immer leichte Zeit zu bringen. Dabei haben sie große Möglichkeiten auch über ihre Jugendarbeit, unendlich vielen Menschen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu geben. Karneval ist mehr als schnelles Vergnügen. Karneval ist Kulturgut unseres Volkes. So liegt ihm auch die Arbeit mit der Jugend sehr am Herzen. In Schweinfurt hat er eine Veranstaltung erlebt, die von 200 Eigenaktiven gestaltet wurde und so fantastisch war, dass sie jeder professionellen Sitzung das Wasser reichen könnte. Kinder und Jugendliche waren integriert und setzten sich aktiv und voller Begeisterung ein. „Wer sich um die Kinder und Jugendlichen kümmert und sie heute fördert und begeistert, der braucht sich um den Karneval in 50 Jahren keine Sorgen machen!“ ist seine eindeutige Aussage und Meinung dazu. „Die BDK-Jugend mit 700 000 Jugendlichen, davon allein 80 000 Jugendlichen im Bereich Tanz muss gefördert werden, Musikgruppen und Bands laufen von allein, da ist nicht so ein Einsatz in Organisation und Vorbereitung nötig“, ergänzt er seine Argumentation und fügt etwas besorgt hinzu: „Bei den Rednern, da muss allerdings etwas getan werden. Es gibt Menschen, die wunderbare Reden schreiben, aber sie nicht vortragen können. Es gibt Menschen, die reden ganz wunderbar und ziehen damit Massen in ihren Bann – aber sie können nicht gut schreiben. Diese beiden müssen wir zusammenbringen! Danach zu suchen und das zu fördern, das ist eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft!“
„Wir müssen etwas dafür tun, dass wir auch in 100 Jahren noch Karneval haben“, ist hierzu auch seine Meinung: „Die Tradition muss erhalten bleiben.“
Party ist in Ordnung, das muss es auch – gerade für die jungen Leute – geben, aber die Formate Tradition und Party zu vermischen, das hält Volker Wagner nicht für richtig: „Karneval ist Vereinssache – wir dürfen uns nicht verkaufen.“
Wir wünschen ihm für die große Aufgabe, die er sich gestellt hat, viel Gesundheit und Kraft und immer gute und sichere Fahrt.

Interview mit Volker Wagner, Präsident des Bundes Deutscher Karneval

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